Was es mit dem Reisedrang auf sich hat – meine Geschichte

2023 ist das Jahr, dass ich in Europa verbringen werde, bevor es wieder für mich nach Asien geht. In dieser Zeit möchte ich natürlich so viel wie möglich sehen und erleben. Daher gibt es in den letzten Monaten kaum einen Zeitpunkt, an dem ich nicht unterwegs bin… alleine innerhalb von zwei Monaten war ich in Thessaloniki, Malta, Rom, Palma und Barcelona. Und obwohl es neben meinem 40 Stunden Job nicht immer leicht und anstrengend ist, so liebe ich es! Denn wenn ich reise, dann bin ich glücklich. Dann bin ich wieder ich. Doch dabei frage ich mich immer wieder: wieso bin ich auf meinen Reisen nur so viel glücklicher als zuhause? Wieso halte ich es mittlerweile nicht mehr länger als ein paar Monate an einem Ort aus? Und wieso verspüre ich permanent den Drang unterwegs, wieder aufbrechen zu müssen?

Dabei liegt es gar nicht einmal daran, dass ich nicht gerne zuhause bin oder unglücklich bin. Ganz im Gegenteil! Ich habe den besten Mitbewohner, den man sich nur wünschen kann, ein tolles Zimmer und was ich noch so alles brauchen könnte. Ich kann mich also wirklich nicht beschweren. Also wieso ist es jedes Mal aufs Neue so, dass es sich anfühlt, als würde ein riesiges Gewicht von meinen Schultern fallen, sobald ich durch die Haustüre trete, um zum Flughafen aufzubrechen?

Ich erinnere mich an eine Zeit, in der ich mich noch nicht so fühlte…

Bevor ich mit dem alleine reisen anfing, da träumte ich lediglich vom Reisen. Mehr als meine jährlichen Urlaube mit der Familie habe ich bis dahin nicht unternommen. Es wäre mir auch gar nicht in den Sinn gekommen. Natürlich wollte ich bestimmte Orte auf dieser Welt sehen (wer möchte das denn nicht), aber einen genauen Plan hatte ich nicht, geschweige denn konnte ich mir vorstellen, allein dort hinzureisen. Ich hatte auch nie das Gefühl, in Österreich festzustecken. Ich fühlte mich nicht eingeengt oder gefangen, nicht unruhig oder verspürte nicht den Drang so schnell wie möglich wegzukommen.

Ein schicksalhafter Tag im Jänner 2019 veränderte jedoch alles!

Aber dann kam der schicksalhafte Tag, an dem ich, nach einem Gespräch mit meiner Stationsleitung, aus lauter Frust und Ärger einen Flug nach Palma und Rom buchte. Zu diesem Zeitpunkt war ich an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich einfach nur unglücklich war. An dem ich nicht wusste, wie es weitergehen sollte und wo mein Leben mich hinführen wird. Es fühlte sich an, als würde etwas fehlen… Meine Flüge nach Palma und Rom waren so spontan gebucht, dass sich keiner meiner Freunde auf die Schnelle Zeit nehmen konnte. Mir blieb also nichts anderes übrig, als alleine zu fliegen. Es ging also allein in mein erstes großes Abenteuer! Und es war mit Abstand eine meiner besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben bis jetzt getroffen habe.

Am Anfang hatte ich etliche Ängste und Sorgen, was das allein Reisen betrifft. Doch diese Ängste verflogen so unglaublich schnell und ich hatte jedes Mal aufs Neue die Zeit meines Lebens. Denn erst beim allein Reisen lernte ich mich selbst Stück für Stück kennen. Ich lernte meine Stärken zu schätzen und erkannte meine Schwächen. Fand heraus, womit ich am liebsten meine Zeit verbringe und was mir in Wahrheit eigentlich nur Kraft raubt. Ich lernte, den Moment und mein Leben als Ganzes zu genießen und die Welt einfach nicht allzu ernst zu nehmen. Erkannte, dass ich ganz allein für mein Leben zuständig bin und mich nicht an anderen orientieren bzw. messen muss. Und plötzlich war Wien nicht mehr groß genug. Denn ich hatte mich in fremde Länder und Kulturen verliebt.

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Doch ist es wirklich die landschaftliche bzw. kulturelle Veränderung, die ich beim Reisen brauche?

Zum Teil sicher! Aber viel mehr brauche ich das Gefühl auf Reisen ganz ich selbst sein zu können. Mich einfach nicht verstellen zu müssen . Im Alltag sind wir oft so festgefahren, dass ein ausbrechen aus diesen Strukturen schwer bis gar nicht mehr möglich ist…

Als ich damals von meiner ersten großen Backpacking-Reise in Asien zurückkam, merkte ich zum ersten Mal selbst, wie schwer sich das eigene Umfeld mit Veränderungen tut. Vorher erzählten mir nur viele andere Reisende, wie das zurückkommen sein kann. Ich hatte mich eigentlich gar nicht so sehr verändert (jedenfalls meiner Meinung nach), sondern ich hatte einfach ein Stückchen mehr zu mir gefunden. Ich habe nicht mehr länger versucht, zu verstecken das ich viel mehr an Animes und Mangas interessiert war, als an dem neusten Promi-Tratsch. Meine Standpunkte habe ich wohl zum ersten Mal in meinem Leben wirklich vertreten, ohne mich zurückzuziehen. Ich habe aber auch ganz klar kommuniziert, wenn mir als introvertierte Person Treffen, Gespräche oder einfache soziale Kontakte zu viel wurden. Zeit für mich selbst zu nehmen, meine Batterien wieder aufzuladen und mich wohl zu fühlen, wurde für mich zur obersten Priorität. Und um ehrlich zu sein, nicht jeder in meinem damaligen Freundeskreis kam damit klar und nicht nur eine Freundschaft zerbrach daran.

Und auch wenn es natürlich weh tat, so sehe ich es mittlerweile als etwas Positives an. Lieber habe ich wenige Freunde, die dafür wahre Freunde sind, jede Facette an mir kennen und mich trotzdem so akzeptieren. Genau solche Menschen traf ich auf meinen Reisen.

Reisen ist so viel mehr, als ‚nur‘ neue Orte zu entdecken

Auf Reisen wirst du wunderschöne Orte und Landschaften entdecken, doch was das Reisen wirklich spannend macht, sind die Menschen, die du treffen wirst. Es sind die täglichen Herausforderungen in einem fremden Land, denen du dich stellen und die du überwinden musst. Es ist die Reise zu dir selbst, die dich Schritt für Schritt verändern wird, das dich fast schon süchtig machen wird.

Und genau deshalb glaube ich, dass mich das Reisen und der Drang immer wieder aufs Neue aufzubrechen, nicht so schnell loslassen wird.

Wie sieht es mit dir aus? Kennst du dieses Gefühl ebenfalls?

Erzähl mir davon in deinem Kommentar. 😊

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There are 4 comments

  1. Oh ja, den Drang immer neues zu sehen und kennenzulernen habe ich auch! Aber leider auch ziemliche Flugangst, weshalb sich meine bisherigen Reisen bisher auf den europäischen Kontinent beschränkt haben! Ich finde übrigens toll, wie du die Welt allein eroberst! Ich war bisher noch nie allein auf Reisen und stelle es mir auch für mich gewöhnungsbedürftig vor! Aber vielleicht sollte ich es einfach mal wagen 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

    1. Hey, Jana. 🙂
      Gewöhnungsbedürftig ist es auf alle Fälle, gerade am Anfang. Aber mittlerweile ist es für mich nichts Außergewöhnliches mehr, sondern eher die Normalität. Das mit deiner Flugangst tut mir echt leid, aber es gibt zum Glück auch wahnsinnig viel in Europa zu sehen – und dort kann man relativ leicht mit Bus, Bahn oder Auto unterwegs sein. 🙂

      LG,
      Vici

  2. Liebe Vici,
    Ich kann das sooooo nachempfinden, was du schreibst. Klar sieht man tolle Orte, Landschaften und trifft tolle Menschen, wenn man offen ist und die Augen aufmacht. Aber beim Reisen geht es auch für mich um andere Dinge, um die Herausforderungen, ums Lernen, um sich selbst neu kennenzulernen, um Emotionen und Gefühle. Ähnlich wie dir geht es mir auch, ich bin daheim sehr wohl angekommen, ich liebe meine Wohnung, meinen Mann, meinen Job, mein Umfeld. Aber ich brauche das Reisen trotzdem für meine Seele, für mein Wohlbefinden. Spätestens nach einigen Wochen ist dann auch gut und ich möchte erst einmal wieder nach Hause – aber das nächste Abenteuer steht dann meistens schon in den Startlöchern.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    1. Hey, Miriam. 🙂
      Ich bin erleichtert, dass es nicht nur mir so geht. Wobei ich auch sagen muss, dass zuhause für mich nicht mehr nur ein Ort ist… es ist viel mehr überall dort, wo ich mich wohlfühle oder wo Freunde von mir sind. 🙂

      LG,
      Vici

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