Wie es dazu kam, dass ich meine Weltreise unterbrach

Eine Weltreise zu unterbrechen oder gar abzubrechen, bedeutet noch lange nicht versagt zu haben! Ganz im Gegenteil sogar! Es bedeutet sich gut genug zu kennen, um zu erkennen, wann es genug ist. Wann du eine Pause brauchst.
Das weiß ich jetzt!

Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel hier auch wirklich schreiben, geschweige denn veröffentlichen möchte. Denn eine Zeitlang habe ich mich durchaus für meine Entscheidung geschämt und tue es auch heute gelegentlich noch ein bisschen. Ich empfand mich selbst als feige und hatte Schuldgefühle… ich verstand mich selbst nicht mehr. Zwar sage ich mir immer wieder, dass es keinen Grund gibt mich zu schämen aber ein kleiner Teil von mir, hat das bis heute noch nicht ganz verstanden.

Wieso aber habe ich mich entschieden, trotzdem darüber zu schreiben? Ganz einfach: diese Entscheidung ist ein Teil von mir und hat vieles in Gang gebracht. Und ich möchte ja, dass Ihr mich kennenlernt. Also gehört auch dieser Teil dazu.
Außerdem will ich anderen, die sich vielleicht in der selben Situation befinden, Mut machen auf sich selbst zu hören.

Denn heute weiß ich, dass es die absolut richtige Entscheidung für mich war!

Der Beginn eines Traumes

Im Februar 2021 startete ich meine Weltreise. Ich hatte unglaublich viele Pläne, doch ich wusste, mit bzw. durch Corona wird sich vieles ändern… kaum etwas wird so laufen, wie ich es mir eigentlich anfangs gedacht habe. Doch das war okay für mich. Es hinderte mich nicht daran zu starten. Irgendwie spornte es mich sogar noch etwas mehr an.

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Ich starte die Reise in Ägypten. In einem Land dessen Geschichte mich schon immer fasziniert und inspiriert hat. Ich verbrachte dort knappe 2 Monate und auch wenn es einige Höhen und Tiefen gab, so war es trotzdem eine wundervolle Zeit.

Als nächsten Stopp auf meiner Weltreise sollte es weiter nach Mexiko gehen – doch dieses Mal nicht alleine. Ein Freund wollte Mexiko mit mir erkunden. Doch je näher der Abreisetag kam, desto unglücklicher wurde ich. Desto mehr Zweifel schlichen sich in meinen Kopf. Desto mehr hatte ich das Gefühl noch lange nicht bereit zu sein Ägypten zu verlassen. Doch ich hatte es nun einmal versprochen… wohl fühlte ich mich dabei aber nicht.

Hätte ich doch nur auf meine innere Stimme gehört!

Ich predige zwar immer wieder, auf sich selbst zu hören. Immer zu bedenken, ob es für einen selbst auch wirklich okay ist. Doch oft vergessen wir diese Vorsätze, wenn es um Menschen geht, die man gern hat – da verschwinden die eigenen Wünsche oft im Hintergrund. Denn wenn sie glücklich sind, dann sind wir es doch auch!?! Pustekuchen!

Ich war eigentlich noch nicht bereit Ägypten zu verlassen, ich war noch nicht bereit etwas Neues zu erkunden und ich war noch lange nicht bereit dazu mit jemand anderen zu reisen. Ich wollte nicht die Verantwortung für einen weiteren Menschen übernehmen, ich war nicht bereit für Kompromisse und ich wollte eigentlich keine Rücksicht auf jemand anderen nehmen. Klingt hart, war und ist aber so.
Versteh mich nicht falsch, ich treffe auf meinen Reisen eine Menge Menschen und oft bleibt man auch eine Zeitlang zusammen. Doch trotzdem macht jeder sein eigenes Ding. Jeder ist irgendwie trotzdem für sich – denn du kannst dich jederzeit zurückziehen oder wenn es dir zu viel wird einfach weiterziehen. Jeder versteht es, niemand ist böse. Denn unter Reisenden herrscht ein ähnliches Mindset.

Doch mit jemanden zu reisen, der reiseunerfahren ist oder noch nie alleine unterwegs war, ist es etwas ganz anderes. Die meisten von ihnen verstehen es nicht wirklich, wenn man sich zurückziehen möchte. Sich Zeit für sich nimmt oder sich für eine gewisse Zeit sogar splitten möchten. Oft fühlen sie sich persönlich angegriffen und sind verletzt… denn immerhin reist man ja gemeinsam.

Einige halten diesen Druck ganz gut aus oder es stört sie auch gar nicht, doch mir nimmt es die Luft zum Atmen. Plötzlich spüre ich eine riesige Verantwortung – ich hab das Gefühl alles dafür tun zu müssen, dass diese Person glücklich ist. Ich fühl mich wahnsinnig unter Druck gesetzt. Ich fühle mich regelrecht eingesperrt.

Diese Energie geht aber nicht einmal von der anderen Person aus, noch ist es ihre Absicht… aber ich verspüre sie trotzdem. Ich weiß, dass ich mir diesen Druck ganz allein mache, doch einmal in diesem Teufelskreis drinnen, komm ich einfach nicht mehr raus.

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All das empfand ich in Mexiko. Druck und Widerwillen. Ich war nicht entspannt, ganz im Gegenteil sogar: ich war angespannt und unterschwellig grantig. Nichts machte mir mehr Spaß: nicht die Kultur, nicht die Menschen und nicht einmal das Essen.

Mexiko – aus der Ferne Liebe, vom Nahen die Hölle für mich

Mexiko stand zwar nie ganz oben auf meiner Liste von Ländern, die ich so schnell wie möglich sehen wollte, aber trotzdem interessierte es mich. Ich interessierte mich für die Kultur, die Menschen, die Natur und für das Essen. Eigentlich.

Schon der Flug verlief nicht optimal für mich… bei der Landung gab es einige Turbulenzen und mein Magen rebellierte ordentlich. Selbst einige Tage später hatte er sich noch nicht wirklich beruhigt. Außerdem erlebte ich das erste Mal in meinem Leben einen Jetlag, den ich während meines ganzen Aufenthaltes nicht wirklich los wurde.

Doch nicht nur körperlich ging es mir nicht gut, auch emotional war ich nicht auf der Höhe. Ich vermisste Ägypten und meine Freunde dort, fühlte mich permanent unter Druck gesetzt und merkte, wie ich langsam in eine leichte Depression glitt (kannte ich bei mir schon). Nichts machte mir mehr Spaß, ich empfand alles als Qual und es strengte mich ungemein an. Ich zog mich immer weiter zurück.

Auch die Zeit in einem All-inklusiv Resort half mir nur bedingt… ich wusste einfach, ich konnte so nicht weitermachen.

Ich hatte mir meine Weltreise einfach ganz anders vorgestellt.

Die richtige Entscheidung?

Und so kam es, dass wir uns dafür entschieden nach 2 Wochen in Mexiko wieder zurück nach Wien zu fliegen… Und obwohl ich froh darüber war, war ich auch traurig und schämte mich. Jeder Tag war eine Qual und ich war es leid irgendwelche Ausreden zu erfinden.

Aber ich wusste, dass ich nicht für ewig in Wien bleiben würde. Ich wollte mich in Wien wieder sammeln, mich wiederfinden, wieder stark und gesund werden. Ich wusste, ich würde meine Weltreise garantiert fortsetzen.

Was ich gelernt habe?

Erstens: Ich muss wirklich lernen zu sagen, was ich möchte. Vor allem aber voll und ganz hinter meiner Meinung zu stehen. Auch wenn es jemand anderen verletzen oder unwohl fühlen lässt. Es kann nicht sein, dass ich mich verbiege, nur damit der andere glücklich ist.

Ich muss einfach noch mehr auf meine Bedürfnisse achten, vor allem wenn ich mit Anderen unterwegs bin.

Zweitens: Es ist vollkommen okay zu scheitern! Dinge ändern sich, man selbst verändert sich dauernd. Es gibt keinen Grund sich zu schämen. Wichtig ist nur, sich von seinem Scheitern nicht komplett runterziehen zu lassen, sondern immer wieder aufzustehen.

Hast du schon einmal eine Reise oder sogar eine Weltreise unterbrochen? Wieso hast du dich für diesen Schritt entschieden? Was hast du dabei gefühlt und wie geht es dir jetzt damit?

Erzähl mir davon in deinem Kommentar! 😊

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