Die Kunst der Fälschungen – das Fälschermuseum

Fälschungen. Was hat dieses Thema an sich, dass es so viele Menschen in den Bann zieht? Und obwohl die Oberfläche dieses Themas durchaus interessant ist, gibt es nur wenige, die sich näher damit beschäftigen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Fälschung und einer Kopie? Welche Geschichten ranken sich um eine Fälschung? Und was bewegt jemanden, ein Kunstwerk zu fälschen? Die Antwort auf diese Fragen und noch vieles mehr erfährst du im Fälschermuseum. Richtig gehört! Hier in Wien gibt es ein Fälschermuseum.

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Das Fälschermuseum – eine skurrile Idee

In Wien gibt es unzählige Museen und Sehenswürdigkeiten und jede davon hat ihren ganz eigenen Charme. Für wen es aber ruhig mal etwas außergewöhnliches und skurriles sein darf, der wird im Museum für Fälschung fündig. Hier findest du nicht nur zahlreiche Fälschungen, sondern erfährst noch dazu ihre Geschichte.

Der Rundgang beginnt

Bevor du auch nur ins Museum hinabsteigst, betrittst du den Verkaufsraum. Hier findest du natürlich einige Mitbringsel aus Wien, aber natürlich alles rund ums Museum selbst.

Nachdem du dir dein Ticket gekauft hast, steigst du die Treppen hinab und schon stehst du mitten im Museum. Das Museum besteht nur aus einem Raum – ist also leicht überschaubar. Wie die meisten Museen, die sich mit Kunst beschäftigen, sind die Exponate an den Wänden ausgestellt, gleich daneben findest du eine kurze Erklärung.

Du hast nun zwei Möglichkeiten: die Bilder lediglich betrachten, mit dem Wissen darum, dass es Fälschungen sind oder die Kriminalgeschichten hinter diesen Werken erfahren. Ich war auch für Variante Nummer 2. ^^

Hier kommt nun der Museumsführer ins Spiel, den du gleich nach dem Ticket bekommst und seit neuestem auch der Audioguide.

Die Wände schmücken Werke der berühmt und berüchtigten (jedenfalls in der Szene) Kunstfälscher wie Tom Keating, Edgar Mrugalla, Lothar Malskat, John Myatt und noch etliche mehr. Doch natürlich sind dies bekannte Fälschungen (sonst würden sie nicht in diesem Museum hängen) – zum Glück, denn jetzt gibt es zu jedem dieser Werke, eine Kriminalgeschichte.

Ich möchte dir hier jetzt nicht zu viel erzählen, sondern dich nur dazu anregen, diesem Museum eines Tages vielleicht auch einen Besuch abzustatten. Du erfährst, welcher Künstler und mysteriösen Umständen ermordet wurde, wie ein gefälschter Truthahn in Deutschland Geschichte schrieb und wie jemand aus seinen Gemälden „Bomben“ baute, die alle Spuren beseitigen sollten.

„Die Welt will betrogen sein, also werde sie betrogen.“

Sebastian Brant

Jedes dieser Gemälde, erzählt eine einzigartige Geschichte… und jede wäre es wert, hier kurz erzählt zu werden. Doch ich habe mich für die entschieden, die am verrücktesten, am unglaublichsten ist.

Gemälde voller Überraschungen – unsichtbare Tinte, Schimpfwörter und „Zeitbomben“

Tom Keating begann nach dem zweiten Weltkrieg, um seine Existenz zu sichern, als Anstreicher zu arbeiten. Seine wahre Leidenschaft war jedoch das Restaurieren von Gemälden. Zwar stellte er auch seine eigenen Werke aus, konnte sich in der Kunstwelt mit ihnen aber nicht etablieren.

In den 70er Jahren offenbarte er, dass er während seiner Künstlerzeit mehr als 2000 Fälschungen unters Volk gebracht hatte. Doch nicht nur das: er baute in seine Werke eine Art „Zeitbombe“ ein. Zum Beispiel trug er eine Schicht Glycerin auf das Gemälde auf und stellte damit sicher, dass, wenn das Gemälde gereinigt oder untersucht werden würde, sich das Glycerin auflöst und somit alle Spuren hinterlässt. Doch damit nicht genug: oftmals schrieb er auch einige Schimpfwörter auf die Leinwand, welche nur unter Röntgenstrahlen sichtbar wurden, bevor er mit dem eigentlichen Malen anfing. Oder er fügte absichtlich Fehler ein. Ein genaueres Auge hätte einige seiner Fälschungen also durchaus bemerken können.

Die Briten seiner Zeit hatten solch einen Gefallen an ihm gefunden, dass sie ihm gleich mehrere Fernsehsendungen widmeten. 1984 verstarb er dann und bis heute gelten seine Fälschungen als beliebtes Sammlerstück… er hatte also doch noch Fuß in der Kunstwelt fassen können…

Du siehst, hinter jedem Gemälde in diesem Museum, steckt eine andere unglaubliche Geschichte. Schau dort einfach mal vorbei und mach dir selbst ein Bild.

Verfälschte Erwartungen? Mein Fazit

Das Fälschermuseum stand schon länger auf meiner Liste. Und endlich war es soweit.

Versteh mich nicht falsch – das Museum hat tolle Exponate, super Erklärungen, erschlägt einen aber nicht. Und doch hat mir irgendwie etwas gefehlt. Ich habe mir mehr erwartet. Du erfährst zwar die Hintergründe der Künstler und der Fälschungen, aber das wars. Ich würde es gut finden, wenn der Entstehungsprozess mehr im Vordergrund stünde. Was braucht es alles um eine Leinwand altern zu lassen, wie stellt man Farben her, die es eigentlich nicht mehr gibt, bzw. die heute ganz anders hergestellt werden. Ich hätte gerne mehr über solche Dinge erfahren.

Aber trotzdem bereue ich es nicht, mir dieses Museum angesehen zu haben. Es hat seinen ganz eigenen Charme und gerade für Kunstliebhaber ist das Museum der Fälscher eine nette Abwechslung.

Wenn du also Lust hast, während deines Wien Besuches ein etwas anderes Museum zu sehen, dann kommt ja vielleicht dieses Museum auf deine Liste.

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Wo findest du nun das Fälschermuseum?

Das Museum befindet sich in der Löwengasse 28, direkt gegenüber vom Hundertwasserhaus, im 3. Bezirk.

Am besten erreichst du es mit der Straßenbahn Linie 1 (z.B. vom Schwedenplatz aus) und fährst bis zur Station Hetzgasse. Alternativ kannst du die U3 oder U4 nehmen und bis Wien Mitte fahren. Es ist dann nur noch ein paar minütiger Spaziergang.

Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten sind in der Regel: Dienstag – Samstag von 10-16Uhr und von Sonntag 10-17Uhr. Doch während Corona ist nichts wirklich sicher, von daher können sich die Öffnungszeiten oder -tage schon einmal ändern. Am besten informierst du dich immer am jeweiligen Tag auf Google. Sicher ist sicher!

Tickets

Ein Ticket für Erwachsene kostet 6€, das für Studenten 5,50€. Hier ist aber nur Barzahlung möglich.

Besonderheiten

Bereits zu Beginn erhält man ein kleines Handbuch, in dem jeder “Künstler” und sein Leben genau beschrieben werden. Seit neuestem ist sogar ein Audioguide in der Testphase – weshalb er im Moment noch kostenlos ist.

Leider ist es im Museum nicht erlaubt zu fotografieren…

Warst du schon einmal im Fälschermuseum? Wenn ja, was hältst du davon? Wenn nein, wie klingt es für dich?

Erzähl es mir in deinem Kommentar! 😊

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